Ferienkurse 2019 im Sommer

Die Karlsruher Künstlerin Elke Hennen wird vom 29. Juli bis 2. August in Schloss Rotenfels den neuen Ferienkurs „Skulptur/Objekt" anbieten. Wir haben sie dazu befragt.
 

 

Schloss Rotenfels: Frau Hennen, Sie haben eine Ausbildung im Holz- und Elfenbein verarbeitendem Handwerk absolviert. Wie müssen wir uns diese Welt vorstellen und wie ging es für Sie danach weiter?

Elke Hennen: Ursprünglich habe ich diesen Ausbildungsberuf gewählt, um meinen Vater zu ärgern, da er mir ein Kunststudium verbot und ich doch erst etwas Bodenständiges erlernen sollte. Und so suchte ich auf dem Arbeitsamt nach völlig ausgestorbenen Berufen. Doch aus Trotz wurde Liebe, denn präzises und feines Arbeiten lag mir. Mit Stichel und Schabern sowie durch Ziselieren fertigten wir Schmuckobjekte, filigranes Gerät und Kleinskulpturen aus den verschiedensten Materialien. Zudem hatte ich das Glück, auf einen Ausbilder zu treffen, der mein Experimentieren mit Form und Werkstoffen, immer offen und motivierend, unterstützte. Mein eigentliches Vorhaben, Kunst zu studieren, kam später. Durch mein Studium lernte ich zu filtern und künstlerische Fragestellungen zu verstehen, welche sich doch merklich von handwerklichen Techniken unterscheiden. Wie heißt es doch so schön? Technik ist nicht alles! Der Dialog mit Prof. John Bock an der Karlsruher Kunstakademie lehrte mich, meine eigene Formsprache selbstbewusster auszubauen. Unterstützt wurde diese Haltung von Prof. Anna Jermolaewa an der Hochschule für Gestaltung, indem sie mich im intuitiven Arbeiten bestärkte. Und es war Prof. Beatrix von Pilgrim, die letztendlich meinen Blick auf einen Bereich, der mein Spektrum erweiterte, lenkte: Die Performance, die Inszenierung und das künstlerische Kostüm.

 


SR: Elke Hennen setzt in ihrer Arbeit auf Zerteilen und Zusammensetzen. Stimmen Sie zu?

EH: Ich würde eher sagen, Elke Hennen setzt auf Suchen und Finden. Alle Menschen sammeln! Ich verwende Persönliches, auf dem Flohmarkt Entdecktes, Exotisches, aber auch Alltägliches. So schenke ich bisher unbeachteten Materialien und Fundstücken Wichtigkeit. Ganz gleich, ob Bernstein, Silikon, Perlmutt, Gablonzer Gold, Achate, Luffagurke, Glas, Porzellan, Rasenkante oder Flunderleder, durch meine präzise und feine Bearbeitung werden die Materialien und Entdeckungen mit neuer Bedeutung aufgeladen.

SR: Woher rührt die starke Emotionalität Ihrer Objekte?

EH: Meine künstlerischen Objekte und Skulpturen sind alle mit mir verbunden. Durch Rauminstallationen erzeuge ich Möglichkeiten, um unterschiedlichste Beziehungen innerhalb meiner künstlerischen Wunderkammer sichtbar zu machen. An dieser Stelle möchte ich Michael Hübl (Badische Neueste Nachrichten) zitieren, der meine künstlerische Herangehensweise folgendermaßen beschreibt: „Eines ihrer Prinzipien lautet: ‚Es findet sich'. Elke Hennen vertraut auf ihre Intuition. Die wiederum wird gespeist durch Erinnerungen. Sie fließen ein in ihre assoziationsfunkelnden, zauberischen Arbeiten, ohne dass sich für Außenstehende entschlüsseln ließe, welche Geschichten sie mit ihren Materialien verbindet. Ein Drittes kommt hinzu: Sie geht mit Liebe und in einem Zustand innerer Hochspannung zur Sache, die oft genug äußerste Konzentration abverlangt. Zum Beispiel, wenn Hennen mikrometerfeine Löcher in Teile eines Schildkrötenpanzers bohrt, um sie mit dünnen Computerdrähten zu verbinden. Immerhin soll Energie weitergeleitet werden – die der Künstlerin ins Werk, die des Werks auf die Betrachter. Alles ist im Wechsel, Tod und Leben sind im Œuvre von Elke Hennen lediglich unterschiedliche Aggregatzustände." (49° Offene Ateliers, Badischer Kunstverein, 2018)

 


SR: Wie können sich die Teilnehmenden des Sommerkurses auf die Woche mit Ihnen vorbereiten und was erwartet sie im Workshop?

EH: Suchen, finden und sammeln Sie! Packen Sie persönliche Stücke und Materialien ein, die Ihnen etwas bedeuten. Bringen Sie gerne ganze Sammlungen mit! Durch Schnitzen, Bohren, Kleben, Fragmentieren, Vernähen oder Verdrahten werden wir geheimnisvolle Objekte fertigen. Die Arbeiten, die im Kurs entstehen, werden in Beziehung zueinander und zum jeweiligen Menschen gesetzt, der sie geschaffen hat. Persönliche Materialien bieten für die Gruppe einen guten Gesprächsanlass und setzen den künstlerischen Prozess in Gang.

 

SR: Sie sind seit Jahren bei uns in der Lehrerfortbildung tätig und geben in den Werkstätten des Schlosses Schüler-Workshops. Was verbinden Sie persönlich mit Schloss Rotenfels?

EH: Rotenfels ist einfach ein wunderschöner Ort zum Arbeiten. Wir haben hier das einzigartige Schloss mit seinem liebevoll angelegten Park, gut ausgestatteten Werkstätten und leckerem Essen. All das sind gute Voraussetzungen, um in Ruhe bei sich selbst anzukommen und die „Dinge" in Fluss zu bringen. Und es wird nicht selten philosophisch, wenn Teilnehmer in den Zusammenhang zwischen Kunst und Leben einsteigen.

 

SR: Wir danken Ihnen für das Gespräch und freuen uns auf die weitere Zusammenarbeit.

 

 

 Detaillierte Informationen zum Kurs und die Möglichkeit der Anmeldung gibt es hier