Landesprogramm Kulturschule Baden-Württemberg: Best Practice-Beispiele

Lehrgang P2GRN

Veranstaltungsdatum: 24.01. - 26.01.2024

Zielgruppe: Zielgruppe sind Lehrkräfte, Kulturbeauftragte, Kulturteams und Schulleitungen einer Kulturschule.

Leitung: Dr. phil. Martin Kramer, Barbara von Campe 

Mittwoch - Freitag

Programm

Dr. Martin Kramer: „Mathematik und Physik ästhetisch begreifen" (Mittwoch):

In dieser Fortbildung geht es um die Erfahrung von Selbstwirksamkeit und Teilhabe. Den Schülern soll der Unterricht nicht weggenommen werden. Der Lehrer wird zum Spielleiter und ermöglicht ein tiefes und nachhaltiges Verständnis abstrakter Dinge. Der Schüler nimmt dabei nicht nur geistig, sondern auch als ganzer Mensch, im Unterricht teil. Das Konzept des Spiels ermöglicht das eigenständige Forschen und wird sehr ernst genommen.
All diese Inhalte erfahren Sie selbst an konkreten Beispielen. Sie schlüpfen in die Schülerrolle und haben selbst Freude an den theatralen Möglichkeiten. Haben Sie bitte keine Angst vor Mathematik.

Folgende Workshops sind geplant:

Das Gehirn in der Streichholzschachtel – eine Abfragetechnik:
Schülerinnen und Schüler fragen sich gegenseitig ab und nehmen dabei die Rollen Prüferin/Prüfer und Prüfling ein. Sie entwickeln selbst Aufgaben und belohnen sich haptisch mit Streichhölzchen. Für alle Allerstufen von der GS bis zur KSII

Teamarbeit als Abenteuer: Ich-Wir-Alle:
Das Team ist besser als der Beste. Das „Ich-Wir-Alle-Modul" ist eine Struktur für gelingende Teamarbeit im Fachunterricht. Das Ich-Wir-Alle-Modul eignet sich für alle Klassen und Altersstufen.

Inhalte:
• Soziale Geometrie
• Gruppenbildung (in die Fremde gehen)
• Demokratischer Unterricht: Unterschiedlichkeit als Basis für gelingende Teamarbeit
• Bedeutung unterschiedlicher Perspektiven
• Drei Sitzordnungen für drei Unterrichtsphasen
• Präsentation als unterrichtlicher Normalfall

Forschungsauftrag:
Brückenbau aus Zahnstochern und Erbsen

Ein Blick in Welt der Funktionen:
Schülerinnen und Schüler werden zu Punkten in einem Achsenkreuz. So entstehen „lebendige Funktionen". Die Schaubilder werden verschoben und gestreckt, die Lernenden stellen sich dabei gegenseitig Aufgaben, werden zu Prüflingen und Prüferinnen/Prüfern.

Interaktives Planetarium:
Mit nur einer Kerze werden Finsternisse interaktiv erlebt: Köpfe werden zu Erdkugeln und die Faust zum Mond.
Modellieren von Beschleunigung und Geschwindigkeit. Die Schülerinnen und Schüler „erlaufen" Geschwindigkeiten, Beschleunigungen, Winkelgeschwindigkeiten, ... Sehr viele Basisgrößen können ohne großen Aufwand im Unterricht interaktiv nachempfunden werden.

Barbara von Campe: „Tatort Kulturlandschaft" (Donnerstag und Freitag):

Diese Fortbildung ist in zwei Teile aufgeteilt:

1. Impulsvortrag mit anschließendem Gespräch:
Baukulturelle Bildung gilt als gesellschaftliche Basisaufgabe. Das Wissen um Baukultur und den Prozess ihrer Entstehung ist daher eine wesentliche Voraussetzung für das sensible Wahrnehmen ebenso wie für das verantwortungsbewusste Mitgestalten der gebauten Umgebung durch künftige Generationen (vgl. Bundesstiftung Baukultur). Grundlage hierfür ist das Wissen um das Kulturelle Erbe als auch Methodenkenntnis für dessen Fortentwicklung.

Der Impulsvortrag gibt eine Einführung in die theoretischen Ansätze der Kulturerbe- und Baukulturvermittlung: Strukturen, fachliche Netzwerke, interdisziplinäre Inhalte und Methoden sowie Überlegungen zu einer Didaktik für Baukulturelle Bildung an Schulen. Ein anschließendes Gespräch im Plenum dient dem Erfahrungsaustausch sowie der gemeinsamen Vorbereitung für den anschließenden Workshop einschließlich praktischer Übungen vor Ort. Ziel ist es, die Bedürfnisse unterschiedlicher Schulfächer und Altersgruppen am Tatort Kulturlandschaft aufzugreifen und einzubinden.

2. Workshop „Tatort Kulturlandschaft: Experiment und Spiel und künstlerische Ausdrucksform - Kulturerbe, Baukultur und Kulturelle Bildung in der Praxis":
Wer den Titel „Tatort Kulturlandschaft: Kirchturmdenken in Flintbek" hört, könnte vermuten, sie oder ihn erwarte eine neue Episode eines Fernsehkrimis, heldenhaft, voller Spannung und detektivischem Spürsinn. Tatsächlich geht es um den „Ort der Tat", um Grenzüberschreitungen und die damit verbundenen Ereignisse im weitesten Sinne, um Aufklärung und Erkenntnis, aber nicht um ein Verbrechen. „Tatort Kulturlandschaft" ist ein Lernmodell der (Bau-)Kulturellen Bildung, das in den vergangenen Jahren sukzessive entwickelt und in unterschiedlichen Szenarien wiederholt erprobt werden konnte. Der Ort, genauer gesagt die historische Kulturlandschaft, steht dabei im Zentrum der Handlung und mit ihr alle Spuren vergangener Epochen, die übereinandergeschichtet, als Gleichzeitigkeit des Ungleichzeitigen sich durchdringend, oder wie ein Palimpsest überschrieben, für uns Menschen der Gegenwart kaum noch lesbar sind und gleichsam kriminalistisch erst wieder sichtbar gemacht werden müssen.

In diesem Workshop erschließen wir uns den historischen Ort „Schloss Rotenfels" und gehen auf „Geisterjagd" (Forschendes Lernen für alle Altersstufen). Experiment und Spiel fördern unsere Imagination. Das Lernen erfolgt durch Begeisterung. Zum Einsatz kommen die App #digiclass, der Kulturerben-Forscherrucksack „Tatort Kulturlandschaft" sowie umfangreiches Methodenwissen.

Ziele

Mathematik und Physik ästhetisch begreifen:

  • Bedeutung des „Begreifens" als eine Verbindung zwischen Haptik und Denken. Die teilnehmenden Lehrkräfte erleben, wie geistiges und körperliches Lernen sich in fruchtbarer Weise ergänzen.
  • Sie erleben die drei Repräsentationsformen (enaktiv, ikonisch und symbolisch nach J. Bruner) bzw. das EIS-Prinzip anhand eines konkreten Beispiels.
  • Die Teilnehmerinnen und Teilnehmer erleben die Bedeutung verschiedener Rollen, insbesondere das PPP-Prinzip, in denen die Rollen „Prüfer, Prüfling und Teilnehmer einer Prüfungskommission" eingenommen werden.
  • Die Lehrkräfte verstehen und erleben die Technik „Aufstellungsarbeit im Klassenzimmer" und können dieses auf ein eigenes Beispiel im eigenen Unterricht übertragen.
  • Weiter wird in nonverbale Kommunikation eingeführt. Die Teilnehmerinnen und Teilnehmer können sowohl „Gesten" als auch „Ortskodierung" im Unterricht einsetzen.
  • Die Teilnehmerinnen und Teilnehmer erleben Demokratieförderung im Unterricht und können in ihrem Unterricht Diskussionen mit der ganzen Klasse ortskodiert anleiten.

Tatort Kulturlandschaft:

  • Theorie und Praxis derart miteinander zu verknüpfen, dass es einerseits für „Unerfahrene" leicht ist, sofort in die Auseinandersetzung mit dem Unbekannten vor der Haustür einzusteigen und andererseits Komplexitätssteigerungen für „Fortgeschrittene" unter Einbeziehung weiterer Perspektiven möglich zu machen.
  • Alle Teilnehmenden sollen sich selbstwirksam als Rezipientinnen und Rezipienten sowie Produzentinnen und Produzenten einbringen und wahrnehmen können, unabhängig von Alter, Herkunft und Vorwissen.

Zeitlicher Gesamtaufwand: 15 Stunden

Dr. phil. Martin Kramer ist Vater, Theaterpädagoge (Bundesverband Theaterpädagogik) und hat eine Zusatzausbildung in Kommunikationspsychologie (Schulz von Thun Institut). Von 2012 - 2018 war er Leiter der Abteilung für Didaktik der Mathematik an der Universität Freiburg (Robert-Boyle-Preis 2015). Davor unterrichtete er Mathematik und Physik am Gymnasium. Grundlegend ist seine systemisch-konstruktivistische Auffassung von Unterricht.

Barbara von Campe hat 2011 begonnen, Projekte von, für und mit „Kulturerben" zu entwickeln. Selber begeistert von den kulturellen „Schätzen" und Erkenntnissen, die ihr während ihrer Tätigkeiten in Architektur und Denkmalpflege begegneten, ist es ihr Bestreben, Methoden zu entwickeln, die es gleichsam spielerisch ermöglichen, Kulturerbe zu erforschen und in kreativer Weise weiterzugeben. Wichtig für sie ist das Wechselspiel aus Theorie und Praxis, aus Denken und Handeln.

Hinweis

Informationen über die Barrierefreiheit erfragen Sie bitte bei der jeweiligen Veranstaltungsleitung. Es ist Aufgabe der Schulleitung, den teilnehmenden Lehrkräften ausreichend Zeit für Mittagspause und Anfahrt zu ermöglichen.